Innovationspreis 2026: Inspirierende Projekte aus den Berner Pflegeheimen
Auch im Jahr 2026 überzeugen die Berner Pflegeheime erneut durch grossen Erfindungsreichtum und ausgeprägte Innovationskraft. Die für den diesjährigen Innovationspreis eingereichten Projekte zeigen eindrücklich, wie Herausforderungen in der Langzeitpflege mit zukunftsorientierten und kreativen Ansätzen begegnet werden können.
Alterszentrum Ins – Ein Auto für Alle

Das Projekt «EIN AUTO FÜR ALLE» des Alterszentrums Ins bietet Vorteile für unterschiedliche Beteiligte. Dank der Anschaffung eines geeigneten Fahrzeugs «für alle» bewahren Bewohnerinnen und Bewohner ihre Mobilität, ohne kostspielig ein eigenes Auto unterhalten zu müssen. Mitarbeitenden steht ein passendes Fahrzeug zur Verfügung, um Botengänge und Personentransporte durchzuführen, was zugleich die Abhängigkeit des Alterszentrums von externen Transportdiensten verringert.
Durch das Angebot eines seniorengerechten Autos sparen sich die Bewohnerinnen und Bewohner die finanzielle Belastung sowie den aufwendigen Unterhalt, der mit einem eigenen Fahrzeug einhergeht, ohne an Freiheit oder Mobilität einzubüssen. Personen, denen es nicht mehr möglich ist oder die kein Interesse daran haben, selbst zu fahren, können zudem auf einen vom Alterszentrum bereitgestellten Fahrerpool zurückgreifen. Das Angebot ist über ein unkompliziertes Reservationssystem zugänglich und steht auch Angehörigen sowie Besuchenden offen. Dank des Betriebs mit eigenem Solarstrom kann das elektrisch betriebene Fahrzeug zu günstigen Konditionen angeboten werden.
Das seit Anfang Jahr laufende Projekt zeigt bereits erste Erfolge: Einige Bewohnerinnen und Bewohner haben ihr Auto mittlerweile verkauft. Zukünftig wird es deshalb beim Alterszentrum Ins nicht mehr möglich sein, einen Platz für das private Fahrzeug zu mieten. Die reduzierte Zahl an privaten Autos sorgt für mehr freie Parkplätze, was von Mitarbeitenden, Lieferanten und Besuchenden positiv aufgenommen wird. Das «AUTO FÜR ALLE» wird seinem Namen somit gerecht und bietet einen Mehrwert für alle Beteiligten.
Alterszentrum Seegarten AG – Mobiler Kiosk

Seit fast zwei Jahren werden jeden Freitagmorgen im Alterszentrum Seegarten am mobilen Kiosk Produkte des täglichen Bedarfs angeboten. Ziel dieses Projekts ist es, durch den eigenständigen Zugang zu Alltagsprodukten wie Snacks, Getränken oder Hygieneartikeln den Bewohnerinnen und Bewohnern mehr Selbstbestimmung zu ermöglichen und so die Lebensqualität auf praktische und niederschwellige Weise zu steigern.
Bewohnerinnen und Bewohner sind oftmals auf die Hilfe von Pflegenden oder ihrer Angehörigen angewiesen. Der mobile Kiosk ermöglicht es, gewisse alltägliche Tätigkeiten selbstständig auszuführen, die ihnen aus verschiedensten Gründen nur noch wenig zugänglich sind. Als wöchentlicher Treffpunkt fördert er zudem den sozialen Austausch und erreicht Personen, die ansonsten nur selten an Gruppenaktivitäten teilnehmen. Im Zentrum des Projekts steht die Stärkung der Selbstbestimmung und von sozialen Begegnungen. Der mobile Kiosk wird deshalb nicht gewinnorientiert, sondern lediglich kostendeckend betrieben.
Alltägliche Momente, wie selbst entscheiden, welche Süssigkeiten einem Besuch angeboten werden oder Freude verspüren, wenn der gewünschte Artikel am Kiosk erhältlich ist, werden den Bewohnerinnen und Bewohnern durch den mobilen Kiosk ermöglicht. Mit geringem Aufwand trägt das Projekt zu einer spürbaren Verbesserung der Lebensqualität bei und bietet dadurch Potenzial zur Anwendung in weiteren Pflegeheimen.
Stiftung Solina – Von der Pflegedokumentation zur Steuerungsintelligenz

Den Pflegeprozess konsequent und vollständig in die Praxis umsetzen – dieses Ziel verfolgt die Stiftung Solina mit einer angepassten Pflegedokumentationssoftware, die als Steuerungsinstrument für die gesamte Pflege- und Betreuungsarbeit dient. Grundlage bildet ein mehrstufiger Leistungskatalog, der alle Schritte des Pflegeprozesses logisch miteinander verknüpft und dadurch individuell auf die Bewohnerinnen und Bewohner abgestimmte Ziele und Massnahmen ermöglicht.
Auf Basis des Leistungskatalogs wird durch die Pflegefachpersonen für alle Bewohnerinnen und Bewohner eine detaillierte Planung erstellt. Die erbrachte Pflege und Betreuung, sowie allfällige Abweichungen werden von den Mitarbeitenden direkt vor Ort per Mobilgerät bestätigt und dokumentiert. Ein von Solina entwickeltes Auswertungssystem schafft anschliessend einen Überblick, welche Bewohnerinnen und Bewohner zu viel oder zu wenig Leistung im Verhältnis zu den finanzierten Leistungen erhalten haben und möglicherweise in einer falschen Pflegestufe eingeteilt sind. Zudem macht das System die Produktivität der Mitarbeitenden sichtbar und ermöglicht es dadurch, die Personalplanung zu optimieren sowie einzelne Teams bei Bedarf gezielt zu unterstützen.
Das umgesetzte Projekt bietet beste Voraussetzungen für weitere Entwicklungsschritte. Zukünftig sollen Mitarbeitende Abweichungen noch genauer gegenüber geschätzten Zeitrichtwerten erfassen und so die Datengrundlage für Steuerungsentscheide weiter verbessern können. Mit diesem innovativen Lösungsansatz ist die Stiftung Solina bestens auf die Zukunft vorbereitet.
Alterssitz Neuhaus Aaretal AG – Aktivierung integriert: Individuelle Lebensqualität durch authentische Begleitung

Das gemeinschaftsorientierte Projekt «Aktivierung integriert» stellt gezielt die Bedürfnisse und Wünsche der Bewohnerinnen und Bewohner in den Mittelpunkt der Alltagsgestaltung. Einmal wöchentlich steht der aktivierungstherapeutischen Fachperson ein Tag zur Verfügung, den sie in enger Zusammenarbeit mit dem Pflegeteam frei von Vorgaben gestalten kann.
Um gemeinsam mit den Bewohnerinnen und Bewohnern den Tag zu planen, wird der «Aktivierung integriert»-Dienst bereits am Morgen in die Frühstücksbegleitung eingebunden. Anschliessend steht die verbleibende Zeit vollumfänglich für die integrierte Aktivierung zur Verfügung. Frei von Routine und Produktivitätsdruck entsteht dadurch Raum für spontane und authentische zwischenmenschliche Begegnungen. Einzelangebote wie persönliche Gespräche, Lesen und kleine Gruppenspiele ermöglichen eine individuell abgestimmte geistige und emotionale Aktivierung. Ein monatlicher Gedenk- und Geburtstagsnachmittag schafft neben freudigen Momenten auch Raum für Trauer und Erinnerungen. Insbesondere ansonsten zurückhaltende Persönlichkeiten können durch dieses Angebot gezielt erreicht werden.
Rückmeldungen zeigen, dass sich die Bewohnerinnen und Bewohner des Alterssitzes Neuhaus Aaretal emotional besser verstanden fühlen, was sich positiv auf die Lebensqualität auswirkt. Neben einer gesteigerten Arbeitszufriedenheit innerhalb des Aktivierungsteams hat sich auch die fachübergreifende Kommunikation verbessert, während Missverständnisse abgenommen haben. «Aktivierung integriert» bietet somit einen individuellen und bedürfnisorientierten Betreuungsansatz, der authentische zwischenmenschliche Beziehungen fördert und über klassische Aktivierungsmodelle hinausgeht.
Betagtenzentrum Laupen – Herzenswünsche
Im Rahmen des Projekts «Herzenswünsche» erfüllt das Betagtenzentrum Laupen persönliche Wünsche und Herzensangelegenheiten seiner Bewohnerinnen und Bewohner. Mit Engagement und Einfallsreichtum werden sowohl kleine als auch «grössere» Wünsche, wie beispielsweise ein spezielles Essen, ein Konzerterlebnis oder der Besuch eines besonderen Ortes ermöglicht. Auch Menschen mit einem geschwächten Allgemeinzustand können durch das Projekt weiterhin bedeutungsvolle Momente im Alltag erleben.
Bereits beim Eintritt ins Pflegeheim werden anhand Biographiearbeiten Herzensangelegenheiten der Bewohnerinnen und Bewohner erkannt und anschliessend im Pflegedokumentationssystem erfasst. Aktivierungs- und Betreuungspersonen sichten in der Folge regelmässig die geäusserten Wünsche und überlegen, wie diese umgesetzt werden können. Auch scheinbar unlösbare Wünsche können durch kreative Alternativen erfüllt werden. So lässt sich ein Besuch an eine abgelegene Ortschaft beispielsweise mithilfe von Filmen, Bildern, einer VR-Brille oder einem Ausflug zu einem vergleichbaren Ziel nachempfinden. Im laufenden Jahr wurde unter anderem auf Wunsch vieler Bewohnerinnen und Bewohner eine Schifffahrt auf dem Murtensee durchgeführt.
Der Eintritt in ein Pflegeheim ist für viele der letzte Umzug. Dank des Projekts «Herzenswünsche» konnte das Betagtenzentrum Laupen bereits vielfältige, auf persönliche Bedürfnisse abgestimmte Erlebnisse ermöglichen. Das Ergebnis ist eine spürbare Steigerung des Wohlbefindens sowie der Lebensqualität der Bewohnerinnen und Bewohner.
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